Skip to main content

In würdevoller Moll-Enklave wohnt der Veilchenton, reich an Farbe, stolz und schön schenkt er seine Gabe.

Veilchenpurpur und seine Historie
Der echte oder auch tyrischer Purpur, war in der Antike ein wichtiger und äußerst wertvoller Farbstoff, der aufwändig und mühsam zu gewinnen war. Er wurde immer dann eingesetzt, wenn es galt, ein Stück Stoff zu etwas Besonderem zu machen. Es gilt als gesichert, dass die Kunst des Purpurfärbens von den Phöniziern entdeckt wurde und sich von dort nach Ägypten, Griechenland und Rom verbreitet hat.

Um die Entdeckung des Farbstoffs ranken sich vielerlei Legenden, nicht zuletzt auch in der griechischen Mythologie. So berichtet die Sage, dass der Hund des phönizischen Gottes Melkarth, den die Römer "tyrischen Herakles" nannten, einst am Strand eine Schnecke fraß und davon eine purpurfarbene Schnauze bekam. Die geheimnisvolle Farbe ließ sich nicht wieder abwaschen. Daraufhin soll Melkarth seiner Geliebten, der Nymphe Tyros, ein Kleid geschenkt haben, das mit dieser Farbe gefärbt worden war. Sicher ist, dass antike griechische Flotten die Segel ihrer Admiräle in Purpur einfärbten und damit ihre Bedeutung hervorhoben.
Auch im alten Rom war man sich des Wertes dieses Färbestoffes sehr wohl bewusst. Allein den höchsten Beamten sowie den Familien der Kaiser war das Tragen von purpurnen Gewändern gestattet.

Aufgrund des hohen Aufwands bei der Gewinnung des natürlichen Farbstoffs wurde im Laufe der Jahrhunderte das historische Purpur zunehmend durch das heutige Kardinalsviolett ersetzt, welches eher ein tiefes Rot darstellt. Erst mit der Möglichkeit, Purpur auch synthetisch herzustellen, nahm seine Verbreitung wieder zu.

Veilchenpurpur und die Farbforschung
Der Farbforscher Heinrich Frieling führte aus, dass die Kombination von Helllila und Dunkelviolett ihren Höhepunkt in einer Assoziation von Flieder und Veilchen findet. Weiter spricht er die synästhetischen Vorgänge (Farben riechen, hören, schmecken, tasten) an, da nach seiner Auffassung der Vorgang des Duftens in dieser Farbtönung von großer Bedeutsamkeit sei. Er beschrieb, dass viele Menschen beim Anblick von Veilchenpurpur Gefühls- und Erinnerungsbezüge zu Kosmetik-Produkten herstellen würden, die eher dem weiblichen Teil der Bevölkerung zuzurechnen seien.

Auch Goethe und Schiller kommen zu Wort
Anfang 1799 entwickelten Goethe und Schiller eine „Temperamentrose“. Sie stellt eine psychologische Übersicht ihrer sechs Grundtöne und der weiteren sechs Zwischentöne dar. Es fällt leicht, ihren nicht ganz vorurteilsfreien Resultaten zuzustimmen. So sprechen beide Herrschern und Philosophen Farbvorlieben zu, bestehend aus Purpur und Blaurot. Dieses seien die Töne der Melancholiker, wohingegen die Choleriker, oftmals Tyrannen, Helden und Abenteurern, das Gelbrote lieben, ein wenig Purpur und Gelb.

Betrachten wir hierzu die Temperamentrose Goethes und Schillers aus dem Jahr 1799. Beide Abbildungen sind unter anderem in Goethes Farbenlehre von Ruprecht Matthei (Herausgeber) erschienen.

Anmerkungen zur Typisierung von Veilchenpurpur
Grundsätzlich sind die historischen und kultur-geografischen Abweichungen beim Veilchenpurpur z.T. beträchtlich und außergewöhnlich. So ist das englische Purpur eher dem Ultramarinblau zugewandt als das deutsche, welches sich noch vor 40 Jahren in der Nähe von Karminrot befand. Heute hingegen ist es weiter vom reinen Rot entfernt und dem Magenta näher gerückt.

Im Hinblick auf seine sprachlichen Komponenten hat die enge Beziehung von Violett zur Gewalt viel mit seinem heraldischen Herrschaftsanspruch zu tun. „Viola“ ital. „Veilchen“, „Violentia“ ist die Übersetzung für Gewalt, engl. „Violence“.

Die feine Welt kleidet sich in Veilchenpurpur und knallrot
Bekleidung gehörte in allen Zeiten und Kulturen zu den wertvollsten Besitztümern der Menschen. Große Kriegstaten wurden mit Adelstiteln oder einer neuen, reich bestickten Garderobe belohnt. Gold durchwirkte Brokate, purpurtonige Schärpen, ein rotes Wams, blaue Beinkleider und hochhackige Schnallenschuhe zierten den Kavalier. Perücken im Spätbarock und frühen Rokoko besaßen einen bis zu 80cm großen architektonischen „Baukörper“, gepudert und mit bunten Bändern durchwirkt. Wie wertvoll und angesehen Purpurseide war, zeigen textile Beispiele aus dem Mittelalter, die den Gegenwert von heute mehr als 1500 Euro je m2 ausmachten.

Dies seien die „Farben, die eigentlich nur in Samtstruktur überzeugen“, findet der vorab schon erwähnte Heinrich Frieling. In Seide wirken sie weniger tief, richtig sei es, dafür zu sorgen, dass Violett bläulich-schimmernd nuanciert werde. So ergibt sich eine geheimnisvolle Leuchtkraft, die von innen stammt. Je blauer das Violett, desto mehr eignet es sich für den blonden Typus, je roter, desto besser eigne er sich für Personen mit schwarzem Haar.

Veilchenpurpur im Hotel – Ein Inszenierungs-Modell.
Manche mittel- bis großstädtischen Privat-Hotels in bester Lage werden von ihren Besitzern häufig ausschließlich als Demonstrationsobjekt ihrer exklusiven Selbstbestimmtheit verwendet.
Im Innern erblickt man vom Boden bis zur Decke ausnahmslos Veilchenpurpur – die Steh- und Deckenleuchten strahlen in feudalem Mittelblau und Grasgrün. Der Empfang ist mit feinen Seidenstoffbezügen der Hausfarbtöne versehen, die Service-Uniform ist Ultramarinblau und mit goldenen Knöpfen besetzt. Sessel, Stühle, Tische zeigen intensives Karminrot. Die Liftausstattung ist oftmals ebenso wie Treppenhaus und Flure in tiefen Veilchenpurpur gehalten! Allein die Suiten und Zimmer-Wände heben sich in Champagnerrosé als Leitton hiervon ab.

Feierliche Ruhe, wenn Veilchenpurpur den Ton angibt
Die nahezu klerikale Farbigkeit in diesen Hotels wird von Mahagoni-Holz mit teilweise fein intarsiertem, spielerischem Ranken begleitet. Sie verstärkt im Restaurant und in der Bar das Gefühl nach Sättigung und Tiefe, da die schalldämmenden Teppiche weder Gesprächsfetzen noch das Klirren von Gläsern, Porzellan und Klappern der Bestecke zu dicht an die Ohren der Gäste dringen lassen.

Erträgliches Kleinformat- Schwieriges Großformat
Purpur und Violett begegnen sich auf großformatigen Flächen äußerst selten womit ein Zusammenhang zwischen überdimensionierten Farb-Angeboten und einer in Quadratzentimetern messbaren üblichen Größe besteht. Ein Phänomen, das allgemein aus der täglichen Wahrnehmungspraxis bekannt ist: Kleine Farbschnipsel wirken bei intensiven Farbtönen blasser und besser „verdaulich“ als große Flächen. Was normalerweise in feinen, dezenten Größen vorgestellt wird, verändert bei großflächiger Anwendung das eigentlich Liebliche ins Unerträgliche. Nicht zuletzt sehr volle, tiefe Farbtöne wie das Veilchenpurpur werden daher in der Farbgestaltung eher als kleinformatige und dezente Farbmuster eingesetzt, deswegen ist es gleichfalls angebracht, bei Ausstattungsarbeiten große Flächen sehr sorgfältig auszumustern und unter vielen verschiedenen Lichtquellen auf ihre sachorientierte und ästhetische Qualität zu testen.

RAL 320 – RAL FARB-DNA