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Urrot ist zugleich verführerisch, reiner als Rosenrot, laut wie der Urknall, schöpferisch und grenzenlos machtbesessen.

Dieser Farbton ist zum Verbergen oder zur Tarnung ziemlich unbegabt. Sobald er im ersten Licht des Tages sichtbar wird, berührt seine Zauberkraft die Menschen. Was ist schon die verglühende Abendröte gegen die reine, sich unbändig entwickelnde Energie der frühen Morgenstunde?

In den meisten Kulturen spielt Rot wohl die bedeutendste Rolle unter allen Farben überhaupt. Dieser Umstand ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass wir mit Rot viel Ursprüngliches assoziieren. Das rote Blut oder das rote lodernde Feuer sind nur zwei Beispiele dafür, mit welcher Intensität uns dieser Farbton seit Urzeiten begleitet. Rot gilt als DIE Lebensfarbe, mit der seit Jahrtausenden zentrale Lebensveränderungen einhergehen.

Ähnliches gilt auch für das sprachliche Farbgebiet, welches in vielen Gebieten Europas sehr ähnlich ist. Es weist beispielsweise bei geografischen Namensgebungen von Landschaften, Gebirgen und besonders Flussläufen auf unüberhörbare Ursprünge steinzeitlicher Gemeinsamkeiten wie Rhône, Rhein oder Ruhr hin. Farbnamen haben in vielen europäischen Sprachen gleiche Sprachwurzeln, wie: ital. rosso, span. rojo, franz. rouge, engl. red. Rebus oder lat. rube, rubin oder rost, rudh in Sanskrit altnordisch ryth, lateinisch rubigo, franz. rouille, engl. rust. Alles gehen auf den gleichen Wortstamm zurück.

Bis heute hat sich Rot fest in unserem Sprachgebrauch verankert. So sieht jemand rot, der sehr aufgewühlt oder wütend ist, gleichzeitig wird man bei ausgeprägter Verlegenheit leicht rot. Bei roten Zahlen schreibt ein Unternehmen Verluste, wohingegen der Eintrag eines Termins mit roter Farbe in einen Kalender dessen Bedeutung hervorhebt.

Rot steht als Farbbegriff nach Schwarz, Weiß/Grau an dritter Stelle in der Mengenstaffelung, gefolgt von Rosa, Blau, Violett, Grün, Gelb, Orange, Braun, Ocker, Beige, Türkis, Cyan, Magenta, Gold, Silber und Bronze. Die oben genannten Farbnamen gehören zum festen Bestandteil unseres koloristischen Wortschatzes.

Ohne Rot wäre das Leben ärmer
Darauf weist auch die Anzahl der nach Axel Büther hohen Zahl von 450 gängigen Farbnamen des Farbraums Rot hin, der fast so umfangreich ist, wie jener von Grün und Blau.

Auf die knapp und spontan gestellte Aufforderung: „Nennen Sie eine Farbe“ wird in den meisten Fällen als Antwort: „ROT“ erfolgen. Auf die Frage nach der Lieblingsfarbe lautet die Antwort in ca. 35% der Fälle „Blau“, auf dem zweiten Platz folgt „Rot“. Die spontane „Rot-Antwort“ fußt eher auf einer intuitiven Basis als dieses beispielsweise bei „Blau“ der Fall ist. Eine „Blau-Antwort“ hingegen folgt eher einer kognitiven Basis. Blau ist „intelligenter, cooler und schicker“. Rot dagegen „individueller und gefühlsorientierter“ und fällt vor diesem Hintergrund gegenüber dem bevorzugten Blau einige Prozentpunkte zurück.

Rot im Vorwärtsgang: Wertgeschätzt, verliebt und schnell
Nichts ist uns näher als das reine Rot. Rot läuft nicht davon, sondern kommt auf uns zu. Die rote Wand, das rote Auto fährt in der Formel 1 den anderen davon und bleibt eindrucksvoller sichtbar, obwohl es schneller wieder vorbei ist. „Die Frau in Rot“ ist unvergessen. Jedoch meinte J. W. v. Goethe, Rot sei König und nicht Königin aller Farben.

Rot ist ein maskulines Attribut und war schon immer eine Farbe der Macht. Rot erscheint am häufigsten an den Flaggenmasten und auf den Wappen der Königs- und Adelshäuser. Etwa 150 Staaten verwenden heute in ihren Flaggen rote Elemente.

In den staatlichen Fuhrparks existieren heute allerdings keine roten Limousinen. Da vermuten die Staatstragenden mit Recht, dass die neue Bescheidenheit nicht in der PS-Zahl, sondern in der Farbgebung demonstriert werden sollte und bevorzugen deswegen ein noch statusbewussteres Schwarz.

Rote Rosen sind Zeichen einer etablierten Wertschätzung, die von freundlicher Bestechung bis zur reinen Liebe reicht. Der Legende nach geht auch ihre Geschichte zurück bis in das antike Griechenland und erzählt von Liebe, Eifersucht und Leidenschaft: alles Eigenschaften, die bis heute untrennbar mit der Farbe Rot in Verbindung gebracht werden. Je gehaltvoller, verlockender und reiner das Rot, wie allein das Urrot RAL 010 40 53 es darstellt, desto nachhaltiger seine Wirkung. Dieser Farbton ist damit der perfekte Start in den Farbkreis.

Die Signalfarbe Rot - Ein visueller "Echomat"
Rot übt auf uns eine größtmögliche Signalkraft aus. Das strategische Ziel einer Signalgebung ist stets der Widerhall, den es verursacht. Rote Lippen, dazu ein paar auffallende Wiederholungen des Farbtons an Fingernägeln und der Garderobe verstärken die Signalwirkung weiter. Rot drängt sich vor. Oftmals erleben wir Menschen, die rote Kleidung tragen, als stark im Leben verankert, gleichzeitig strahlen sie eine überdurchschnittliche Selbstsicherheit aus, häufig gepaart mit einem hohen Maß an Emotionalität und Dynamik.

Fast alle Töne verblassen vor den reinen und reinsten Rot-Nuancen. Sobald wir mit Rot konfrontiert werden, löst es in uns starke Emotionen aus, wohingegen das kühle Blau eher unseren Verstand anspricht. So hat manches schlossähnliche Landhotel seine Gästezimmer üppig mit herrschaftlichem, reinem Rot ausgestattet. Für eine Nacht das perfekte Arrangement, für mehrtätige erholsame Übernachtungen hingegen nicht zu empfehlen. Intensives Rot markiert oftmals Treppen, Gänge, Salons, High-End Restaurants und die Lobby. An solchen Orten erhält der Ton eine beinahe beruhigende oder besänftigende Qualität. Über partiell verteilte Wand- oder Tischleuchten vermittelt er gleichsam ein ausgesprochen gastliches, erholsames Wohlgefühl, das durch einen guten, feurigen Bordeaux und gute Gespräche angereichert wird.

Das Rot des Errötens. Das Urrot-Ereignis.
Wie schön ist dieses Urrot. Betrachtet man die Nuancen des Inkarnats, das sind Hauttönungen des Gesichts, deren Nuancenreichtum die Künstler seit der Renaissance in ihren Werken festhielten, so malten sie häufiger die Röte beim Lachen oder das sanfte Erröten als den unnötigen blauroten Zorn der Berserker. Dabei wurden die wechselnden Ausdrucksformen des Temperaments weniger durch mimisches Spiel als durch die Farbpalette des Porträtisten manifestiert.

Freibeuter und Könige teilen sich die Leidenschaft am Rot
Die Zeiten der Farbverbote liegen glücklicherweise hinter uns. Der Papst trägt keine roten Schuhe mehr, genauso wie heute jeder Bürgerliche rote Schuhabsätze tragen darf, was zu Zeiten des Barocks unmöglich war. So war es allein Louis XIV (1638 -1715), dem Sonnenkönig vorbehalten, mit roten Schuhabsätzen durch Gärten, Hof und Schlösser zu spazieren. Selbst der rote Teppich darf inzwischen von gewöhnlichen Sterblichen betreten werden. In der Antike war dieses Privileg allein den Besiegern der Könige vorbehalten, der rote Teppich war damals der auf dem Boden liegende rote Königsmantel des Besiegten.

Empirische Untersuchungen beweisen, dass Farben spezielle Wirkungseinflüsse auf unsere Handlungsstrategien haben. Sie zeigen auf, dass Kolorits im Rot-Bereich allein schon aufgrund ihrer physiologisch-psychologischen Wärmeabgabe um bis zu vier Grad Celsius angenehmer auf uns wirken als beispielsweise ein kühles Blau. Rot oder warmtonig gestaltete Räume stellen so etwas wie ein ökologisch wirksames Sparmodell dar. Sie helfen, eine unnötige Gänsehaut zu vermeiden und obendrein eine leidenschaftliche Kommunikation in Gang zu bringen. Dennoch sollte dieser Farbton vorsichtig und wohlüberlegt eingesetzt werden. Aufgrund seiner ursprünglichen, puren Vitalität und Leidenschaft kann er schnell dazu neigen, dramatisch zu wirken und Räume optisch zu verkleinern. Als Effekt eingesetzt, ist Rot hingegen nahezu unschlagbar und zieht alle Blick auf sich. „Seht her, hier bin ich“, ist die klare und markante Botschaft, die von diesem Farbton ausgeht.

RAL 010 – RAL FARB-DNA