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Gelb als dissonanteste Farbe

Gelb ist die Farbe des Widerspruchs, aus der Erfahrung ist es die Farbe der Sonne, des Lichts und natürlich auch des goldenen Schimmers. Historisch betrachtet ist Gelb gleichzeitig aber auch die Farbe der Geächteten gewesen, der Missgunst und des Neids. Wirklich innig verliebt sind wir daher nicht in sie. Doch erst in Jahreszeiten, wenn Gelb blüht und Beeten und Bäumen ihre bunte Vielfalt verleiht, fällt uns auf, wie sehr uns Gelb in der Winterzeit fehlt. In der Natur bestätigt Gelb den Beginn des Reifens und Gedeihens.

Trotz der erhellenden Substanz, die der Sonnen- und Butterblumenton auf uns abstrahlt, empfinden Menschen den Farbton als großflächige Umgebungsfarbe häufig nur in Maßen ansprechend oder gar überzeugend.

Gelb wie der reine Frühling. Gesundheit, eine Angelegenheit der Farbstoffe: gut schmecken und gut riechen.
Gelb ist eine Farbe, die nicht nur gut aussieht, sondern auch gut duftet und mundet. Flavonoide (flavus, lt. gelb) gehören zu den wesentlichen Inhaltsstoffen der Pflanzen. Sie färben die oberirdischen Pflanzenteile. – Den Flavonoiden verdanken viele Obst- und Gemüse-Sorten ihre farbige Substanz. Diese hat gleich mehrere Funktionen u.a. dienen die gelben Blütenblätter als Lockfarben für Bestäuber oder bilden Geschmacksattribute aus. Sie verleihen Früchten bittere Geschmacksrichtungen, aber auch ihre gesundheitsorientierte Wirkung. Flavonoide haben allgemein anerkannte positive, gesundheitsfördernde Eigenschaften. So senken sie das Krebsrisiko durch die Hemmung freiwerdender Radikale und stärken gleichzeitig das Immunsystem.

Was hat gelblich-herbstliche Färbung der Blätter mit der besseren Sehkraft im Alter zu tun?
Man nennt sie Xanthophylle, genauer stickstofffreie Carotinoide. Deren Farbstoff Lutein sammelt sich bei der Nahrungsaufnahme in der Makula, dem Ort des schärfsten Sehens im Auge, also der Stelle, wo die meisten Stäbchen und Zapfen versammelt sind.

Ein genügendes Vorhandensein von Lutein dient der Verhinderung einer Degeneration der Makula. Die freie Natur bietet auf unterschiedlicher Weise Hilfen für alle Lebewesen an, die eine symbiotische Gemeinschaft von staunenswerter Intensität und Nutzen darstellt.

In Frankreich wird ein Irrenhaus als „Maison jaune“ bezeichnet.
Unsere psychologisch-ästhetischen Beziehungen zu den reinen Gelb-Nuancen sind nicht von herausgehobenen Vorzügen gekennzeichnet. Ein dunkles, sattes Gelb existiert nicht einmal in unseren Träumen. – Dennoch benötigen wir Gelb dringend, da der Ton allen anderen Farben wundervolle Feinnuancierungen anbieten kann, vom sphärischen, engelsgleichen Schimmergelb bis hin zum lauthals schreienden, schlangengiftigen Schleimgelb.

Die raren Schönheiten der Gelb-Farbtöne entpuppen sich bei einfachster Lichtquelle, ob im hellen Chroma oder in dunklen schmutzfarbenen Bereichen bei Kerzenlicht.

Die zum Farbcode von Sorbetgelb gehörigen Gelbtöne reagieren sehr empfindlich auf kleinste „Verunreinigungen“. Nur ein paar fremde Farbpigmente hinzugefügt, verändern sie sich vom sinnlich-frischem Perlgelb RAL 095 90 20 ins phlegmatische, lustlose Saphirhellgelb RAL 095 80 10, von bodenständiger Klarheit des Erbsengrüns RAL 095 80 40, ins unverbindliche Stumpfoliv RAL 095 50 10.

Warum Gelb nicht unbedingt zu den Lieblingsfarben zählt.
Gelb ist die Schlüsselfarbe von Hermes dem Götterboten, der Menschen miteinander in Verbindung bringt. – Hermes ist die Symbolgestalt der gelben Post. Der gelbe Briefkasten weist auf Absender und Empfänger hin. Oftmals wird Gelb mit Gold gleichgesetzt, der goldene Herbst, goldene Ähren, etc.

Auch in positiver Hinsicht lohnt sich der Blick zurück in die „gelbe Geschichte“. Bei den Minnesängern des Mittelalters war das Gelb die Farbe der Reife und der sinnlichen Liebe. Gelb symbolisierte höchste Beglückung.

Gleichzeitig ist uns Gelb auch als Warnfarbe wohlvertraut. Durch die optimale Fernwirkung und teilweise aufdringliche Nahwirkung ist Gelb als internationale Warnfarbe festgelegt. Wird auf einem Schiff die gelbe Flagge gehisst, ist eine Seuche ausgebrochen und niemand darf das Schiff betreten oder verlassen. Auch im Mittelalter wurde in Städten, in denen die Pest ausbrach, die gelbe Flagge gehisst. Und auch sonst wurden durch die Jahrhunderte viele Gruppen durch das Tragen gelber Symbole diskriminiert.

Im englischen ist das Yellow sprachlich nah am Verb to yell (kreischen, quietschen), mithin dicht am Aufdringlichen, Lauten. Die Yellow Press sind die Skandalblätter, die mit möglichst reißerischen Schlagzeilen auf sich aufmerksam machen wollen und die es mit der Wahrheit nicht immer so ganz genau nehmen.

Eine empirische Studie über Farbmeinungen der Gelbtöne beweist: Der Grundtenor ist dissonant.
Die Aufgaben, die den über 50 Proband/en/innen gestellt waren, bestanden in der optischen Darstellung von Eigenschaftsbegriffen. Alle Teilnehmer handelten unmoderiert und erhielten 7 x 7 cm große vorgedruckte freie Flächen mit dem vorgestellten Adjektiv und einem Aquarellmalkasten samt Pinsel und Deckweiß. – Die Aufforderung zum Mittun bestand in der Bitte, den vorgegebenen Begriff farblich zu interpretieren. Der Umfang der Studie umfasste 350 Wörter.

Die Begriffe mit dem höchsten Gelb-Anteil lauteten:

Top 1: mit 52% Gelbanteil: trocken
Top 2: mit 50% Gelbanteil: neidisch
Top 3: mit 50% Gelbanteil: frohgemut
Top 4: mit 42% Gelbanteil: kraftlos
Top 5: mit 39% Gelbanteil: mild

Sehr schnell wird deutlich, dass sich das semantisch-semiotische Profil der Gelbnuancen im alltäglichen widersprüchlichen und dissonanten Teil der Kommunikation bewegt. Wenn wir die drei Top-Begriffe anschauen: trocken, neidisch und frohgemut erhalten wir eine Ahnung davon, dass wir mit Gelbtönen auf eine Menge „nützlicher“, „menschlicher“ bis „fragwürdiger“ Optionen treffen.

Gelb auf den Skalen von Anregung, Wohlfühlen und Beruhigung.
Das Interior und Ambiente, das Innen und Außen des Wohnens und der Umgebung werden immer mehr zum Hort der Besinnung und zum Mittelpunkt der persönlichen Kraftaufnahme. Immerhin verbringen die Menschen siebzig bis achtzig Prozent ihres Daseins zuhause.

Gelb-Nuancen erleben eine wachsende Akzeptanz in der Raumgestaltung, da sie wesentliche Vorteile in ihrer psychologischen und physiologischen Wirksamkeit aufweisen. Die Lust auf Gelb verfestigt sich seit Jahren. Warme Gelbtöne gehören zu den ansprechendsten Ferienfarben und beliebten Wohntönen. Häufig werden sie in Kombinationen mit Orange und Rot oder Creme und Ocker, oder Bleu und Grün verwandt. – Empirische Untersuchungen zeigen auf, dass das Stimmungshoch der Menschen dicht an Wärme und Farbigkeit gekoppelt ist.

Farben sind sichtbar gewordene Empfindungen und Gefühle. Ihre Leitfunktionen im Alltag, der Arbeitswelt und der Erholungsphase sind seit Jahren Bestandteil einer aufgeschlossenen, lebendigen, gesundheitsaktiven Gesellschaft.

RAL 095 – RAL FARB-DNA