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Reinbleu - Die Metapher für den schönsten Blauton beschreibt die eine Hälfte des Glücks.

Blau legt mehr offen, als es verbirgt. Gerade dieses Bleu RAL 240 40 40 markiert die grenzenlose Weite der Sinne der Empfindungen und des Wissens. – Das Gefühl, über den Wolken schweben zu können, gehörte zur Metaphorik der Romantiker genauso wie die blaue Blume, die der Sehnsucht nach reiner Liebe und innerer Wahrheit Ausdruck verliehen hat. – Blautöne definieren in der Geschichte zum einen geistige Durchdringung, aber auch eine logikzentrierte Sinnsuche nach Wahrhaftigkeit.

Die historisch begonnene Blau-Euphorie, dessen schwärmerische Höhepunkte u.a. von Goethe, Schiller, von Runge und Kaspar David Friedrich gesetzt wurden, ist bis heute ungebrochen. Dabei hat sich der Name Blau als Farbbezeichnung erst spät entwickelt. Die antiken Römer hatten kein Wort für Blau, bis heute verwenden einige Sprachen Grün und Blau synonym. Die Inhalte der Begeisterung für Blau hingegen sind heutzutage bei Weitem nicht mehr die gleichen wie früher. Sie haben sich vervielfältigt und eine breitgefächerte Klientel gefunden.

Das REINE Blau der Töne für den Augenblick.
Es gehört in die Bergwelt, als Begleiter in der Einsamkeit und einer engen Verbundenheit von Berggipfel, sonniger Alm und schattiger, kühler Klamm. Selbstgemachte Ferienerfahrungen, die Literatur und bewegte Bilder regen das visuell-akustische, flötentonige Blauerlebnis an. Es unterscheidet sich von jenem, das uns beispielsweise die Harfenistin bietet: Die Harfenklänge scheinen dem Zuhörer länger anzuhängen und ganze Akkorde für eine Weile in den Höhen und Weiten an- und abschwellend mit Blau zu füllen.

Reinblau – die Farbe der besseren Eigenschaften?
Dass Blautöne grundsätzlich die Farben der „positiven Eigenschaften“ seien, so die Aussage einer gängigen psychologischen Definition, ist sicherlich zu hinterfragen.

In erster Linie wählen Menschen mit einem relativ stabilen, um die 40 Prozent liegenden Anteil, Blau zu ihrer Lieblingsfarbe, weil der Nuancenreichtum dieses Farbtons mindestens ebenso umfangreich ist, wie der von Rot oder Grün. Wir beschreiben Blau oftmals als die Farbe mit dem „mageren Gefühlswert“. Hinter Blautönen vermuten wir Menschen, die eher logikzentriert und kühl berechnend sind. Gleichzeitig unterstellen wir Ihnen oftmals keine besonders ausgeprägte soziale Ader. Von einer mit blauem Logo werbenden Bank oder einer Fluggesellschaft oder Hotelgruppe erwarten die Menschen häufig nicht mehr als professionelle, kühle Professionalität. Prominentes Beispiel hierfür ist der Logo-Relaunch einer führenden europäischen Fluglinie, die ihre bis-dato Farben aus professionellem Nachtblau und warmen Melonengelb durch ein einfarbiges, kühles Blau ersetzt hat.

Vorteile für die Blauexperten?
Bei Befragungen nach der Lieblingsfarbe fällt auf, dass Blau (und Bleu als Mimikry) als Antwort aus Gründen einer besonders günstig angenommenen Eigendefinition gewählt wird, bestehend aus Cleverness, Kompetenz in allen Lebenslagen und sozialer Distanz.

Möglicherweise finden wir das erhoffte Meinungsbild als besonders erfolgversprechend, wenn wir uns zu Blauexperten erklären. Sicher ist, dass die Blau-Varianten als Vertrauensfarbe in den letzten Jahren an den Rand gedrängt wurden. An ihrer Stelle haben Rot- und Grün-Nuancen ihr Fundament verstärken und so gemeinsam Blau von der Top-Position ablösen können. Dieses ist umso verwunderlicher, als blaue Farbtöne oft mit Ruhe, Frieden und Sicherheit in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig ermutigt uns das Blau, außerhalb des gewohnten Rahmens zu denken und kreativ zu sein.

Warum Reinbleu dennoch eine schöne Farbe ist!
Das Blaue besitzt so etwas wie einen Ewigkeitsappeal, der das Erhaben-Himmlische mit dem Schicksalhaften-Irdischen verbindet. Goethe sprach von Blau als dem „reizendem Nichts“, und Yves Klein bezeichnet es als „das sichtbar werdende Unsichtbare“. Blau war für beide die Welt der Freiheit, der Weite und der unaufdringlichen, objektiven Distanz.

Im privaten Bereich organisiert alles Blaue ein zwiespältiges Modell von Abstand und vorgeblich befreundender Harmonie: entweder das dunkelblaue Kostüm oder der elegante, nachtblaue Anzug im Gegensatz zum kurzärmeligen mittelblauen Busfahrerhemd und dem traditionellen Arbeitsblau vieler Handwerksberufe.

Und dennoch sind die reinen Bleuwerte, wie RAL 240 40 40 und deren weitere Farbfamilie zeigt, von eindringlicher, harmonie-vermittelnder Begabtheit. Der Farbton besitzt eine ausschließlich nach oben schwebende Kraft, die uns fasziniert. Es ist ein abwartender, zurückgenommener Farbimpuls, der gleichzeitig eine überlegte Kraft reflektiert und daher als angenehm und wohltuend wahrgenommen wird.

Was ist am freundlichen Reinbleu so einnehmend?
Je näher sich Weiß an Blau annähert, desto reiner und frischer wirkt es auf die Menschen. Ein probater Trick Pariser Wäschereien besteht darin, das reinste, schönste Weiß mit sogenannten optischen Aufhellern zu erzielen. Dazu benötigen sie Blau-Pigmente, die das Weiß in ein unschuldiges Tüllbleu wie 210 90 05 verwandeln.

Das Kinderbleu 220 80 15 ist nicht weit vom Marienblau 210 40 38 entfernt. Für uns heute sehr erstaunlich, stammen die leichten Blau- und Bleu-Nuancen aus der historischen Symbolik des Weiblichen, die bereits in der hellenischen und römischen Klassik zum Repertoire der Steinbildhauer gehörte. Zur Zeit der Renaissance bis in das Rokoko hinein war Blau-Bleu die Farbe der Frauen, wohingegen die Männer häufig Rosa trugen. Im Hochbarock standen die Kavaliere in ihrem prächtigen Rosé-Putz den Damen in Bleu in nichts nach.

Für das gemeine Volk – bunt nur in kleinen Dosen.
Die Volkskunst dagegen war in den Bereichen von Stricken, Häkeln, Flechten, Weben, Töpfern etc. zumeist Frauensache. Ihr Farbspektrum war erheblich bunter, teilweise greller als das der Männer, obschon die Richtlinien der Obrigkeit bis in das späte Mittelalter hinein das „putzsüchtige“ Farbverhalten verdammten. Ausschließlich an  Fest- und Feiertagen waren farbkräftige Borden, Stickereien und kleinflächig dekorierter Metallglanz gestattet.

Das Blau der Jungen, eine Erfindung aus dem letzten Jahrhundert.
Auf farbig übermalten Fotografien, die unsere Großeltern und Urgroßeltern in jüngsten Jahren abbildeten, trugen die Knaben noch weiße, spitzenbesetzte Kleidchen.

Die Knabenfarbe Bleu und Blau galt später dann als Top-Modefarbe der Jungen und Mädchen. Etwa ab der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert entdeckte ein deutscher Kaiser seine Vorliebe zur Marine und zum Blau der Seefahrt und Kreutzer. Matrosenanzüge und Matrosenkleider für die Kinder stellten den Dernier Cri dar.

Das reine, frische Blau gibt Freiheit.
Die Blut- und Boden-Farben stehen zu Beginn des 19. und 20. Jahrhunderts in krassem Gegensatz zu den klaren Himmelstönen. Rot, Braun und Goldtöne gehören in mehrerlei Hinsicht der Vergangenheit an. Ideen sind es, die die Ökonomie, Wissenschaft, Kunst und Kultur beflügeln. – Blau ist die Farbe von Freiheit und Gleichheit. Wissenschaftler, Philosophen, Mediziner, Schriftsteller und Künstler sind die Fortschrittsverursacher der Neuzeit. Gerade die Nationen, die für die Zukunft verantwortlich zeichneten, schmückten sich mit Farben wie Blau, Weiß, Grün, Rot, eher selten Türkis oder Gelb.

Das Reinbleu/Blau in der Sprache.
Einmal kurz ins Blaue eintauchen, in die Freiheit der Fantasie und des ungewissen Endes und zweifelhaften Anfangs. – Ins Blaue zu reden, meint nichts anderes, als eine freie, noch nicht logisch konzipierte Vorstellung zu entwickeln, die dem Gegenüber die Möglichkeit eröffnet, am Ideen-Diskurs teilnehmen zu können. Eine spekulative Eröffnung bezeichnet man am besten mit dem kurzen Satz: „Mal schnell in die Tüte gesprochen“ oder – wie wenn man „Ins Blaue spekuliert“. Das kann auch die Einleitung zur Preisgabe eigeninitiierter Ideenvorstöße, also des privaten Brainstormings vorstellen.

Das sprichwörtliche „blaue Blut“ geht ebenso auf das Mittelalter zurück, genauso wie das „Blau sein“ oder „Blau machen“. Während sich die Bauern auf den Feldern plagten, waren bei den Höhergestellten, oftmals blassen Adeligen, die blauen Adern unter der Haut deutlich besser zu sehen, als dieses beim gemeinen Volk der Fall war. Und die Färber, welche auf das Durchtrocknen Ihrer frisch gefärbten Stoffe warteten, konnten am Montag „Blau machen“. Sie hatten nichts weiter zu tun, als auf die Färbung ihrer Stoffe vom Gelb der Küpe zum edlen Blau zu warten.

Reinbleu sehen wir selten.
Als Farbe des Himmels und des Wassers gilt das Reinbleu in der Architektur nach wie vor als einer am wenigsten greifbare und materielle Farbton. Vor diesem Hintergrund ist es auch nach wie vor keine sehr weit verbreitete Farbe in der Architektur, ungeachtet seiner heute schwächeren symbolischen Bedeutung und gleichzeitig größeren Verfügbarkeit in allen möglichen Schattierungen und Abstufungen. Seine optische Erscheinung sowohl bei Glas- als auch bei Putzfassaden scheint seine Immaterialität sowie Beziehung zu einer gewissen spirituellen Symbolik und flüchtigen Tiefe noch zu untermauern.

RAL 240 – RAL FARB-DNA