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Die Farbe Orange – Geselligkeit und Lebensfreude

Die Farbe Orange gilt als Farbe der Geselligkeit, der Lebensfreude, des Vergnügens. Sie stellt einen Gegenpol zur Farbe Blau dar, der Farbe des Geistigen, Kühlen und Zurückhaltenden. Mit Orange werden häufig Licht oder Wärme assoziiert, oftmals wird der Farbton als DER Stimmungsaufheller für die dunklen Tage im Jahr beschrieben. Orange steht nicht nur der Farbe Gelb, sondern auch der Farbe Rot nahe und gehört damit zu den warmen Farbtönen. Es ist eine Farbe der Energie und der Aktivität, welche die Leuchtkraft des Gelb mit der ungebremsten Vitalität des Rot verbindet.

Über viele Jahrhunderte hinweg war Orange nicht als eigenständiger Farbton anerkannt, Goethe beispielsweise sprach bei seinen Überlegungen zum Thema Farbe immer von einem „Gelbrot“. Trotz dieser Vernachlässigung spielt die Farbe Orange seit der Antike in den verschiedensten Lebensbereichen eine wichtige Rolle und wir begegnen ihr Tag für Tag.

Farben und Klangbilder – Mozart und die Entführung aus dem Serail
Die orangegetönte Farb-Partitur der „Entführung aus dem Serail“, Mozarts Oper mit dem Libretto von C. F. Bretzner entstand musikalisch, dramaturgisch und textlich vor dem Hintergrund des Zeitalters der Aufklärung sowie der stärkeren Begegnung von Orient und Okzident. Ihr Nachklang lebt noch Jahrhunderte als „ewiges“ Erbe in einer Art märchenhaften, bis heute anhaltenden orientalischen, stimmungsreichen Stimmungslage fort. Eine Farben-Musik so eindringlich, so lyrisch und so stimmungsvoll, mit der Mozart noch heute viele Menschen in seinen Bann zieht.

Die neue Epoche bescherte Europa wunderbare Farben, neue Geschichten und Märchen, neue Musiken und neue Musikinstrumente. Und neue Klangfarben, Kolorits und Materialien, aber auch neue Genüsse aller Geschmacksrichtungen, ob süß, kräftig- und fein-aromatisch. Blumige Ornamente kamen in Mode, auf Seidenstoffen gewebt, geknüpft oder gestickt und gleichzeitig intensiv von den Kulturen Südostasiens beeinflusst. Sie lösten die bislang in Europa vorherrschenden, zumeist grafischen, kleinformatigen Muster auf Teppichen und Wandtextilien ab. Unberührt von all diesen Entwicklungen wird der Begriff Persischorange im europäischen Sprachraum dennoch erst im Jahr 1892 und damit mehr als 100 Jahre nach Mozarts berühmter Oper, erstmals erwähnt.

Orangegetönte Farben sind häufig Genuss orientiert: Honig, Apfelsinen, Physalis, Kürbis, Kurkuma, Safran, Kardamom. Mystizismus, Sinnlichkeit, Menschen, Wandel und Erleuchtung
Macht Orange glücklich? Im Buddhismus dient Orange der Erleuchtung. Die Mönche tragen ungesäumte Stoffbahnen um den Körper gewickelt, als immanentes Zeichen ihres permanenten Strebens nach Erleuchtung. Gleichzeitig stellt der orangefarbene Goldfisch eines der wichtigsten Symbole im Buddhismus dar. Auch er symbolisiert Erleuchtung.

Hinweise zur Wirkung zum menschlichen Verhältnis von Farbe und Hautfarbe gibt beispielsweise Eva Heller in ihrem Buch „Wie Farben auf Gefühle und Verstand wirken“: „Der wichtigste Grund, warum die Farbe Orange in Indien so geschätzt wird: Es ist die Hautfarbe vieler Einwohner Indiens. So wie die weißhäutigen Menschen oftmals die weiße Farbe idealisieren, so idealisieren die Inder ihre Hautfarbe in Safran.“ – Auf indischen Gemälden werden Gottheiten mit strahlend orangefarbener Haut gemalt. Dazu bemerkt E. Heller: „Überall denken sich die Menschen die Götter nach ihrem Ebenbild. Der Mythos vom göttlichen Menschen verblasst nicht.“

Wie wir noch in weiteren Kapiteln zu den Bunttönen des RAL DESIGN SYSTEMS erfahren werden, wählen Religionen, Sekten, Glaubensbekenntnisse, Reformer, Häretiker, Gnostiker und Mystiker ihr passendes Farbbild von Schwarz bis Weiß, von Blau bis Gelb und Rot bis Grün in allerdenklichen Zwischentönen aus. Nicht zuletzt auch, da Eigenfarben oftmals ein vortreffliches, identitätsstiftendes, offensives und inneres, sozialfreundliches Instrument abbilden. Obendrein lässt sich mit ihren Botschaften wunderbar eine hochwirksame Außenkommunikation entwickeln und vermitteln. Diese Vorgehensweise wird auch als „Kulturtransfer“ bezeichnet.

Die Geschichte der Oranier ist auch Farbgeschichte
Auch in unserer unmittelbaren europäischen Nachbarschaft spielt die Farbe Orange bis heute eine zentrale Rolle. So schlich sie sich als kuriose Politik- und Familiensaga in die Geschichte ein: Orange, ehemals ein kleines Fürstentum in Frankreich – heute im Departement Vandise gelegen, kam durch Heirat, Erbteilungen und üblichen Irrungen und Wirrungen an die Grafen von Nassau, und sodann an einen Grafen Nassau-Châlon. 1544 schließlich fiel das Fürstentum an Wilhelm I, den späteren Statthalter der Niederlande.

Wenn im April in den Niederlanden Koninginnedag gefeiert wurde, waren alle Straßen, Häuser und Plätze in leuchtendes Orange getaucht: Nach Königin-Regentin Emma (1890-1898) folgen die Königinnen Wilhelmina (1890-1948), Juliana (1948-1980) und danach Beatrix (1980-2013) auf den Thron in Amsterdam.

Heute heißt der Festtag wieder Koningsdag. Willem-Alexander, Prinz von Oranien ist seit 2013 König der Niederlande. Und besonders anlässlich der jährlich stattfindenden Feierlichkeiten wie eben dem Koningsdag oder der Parlamentseröffnung ist Orange der allgegenwärtige Farbton. Gleiches gilt in inzwischen nahezu legendärer Weise auch für die holländischen Fußballanhänger, die nach gewonnenen Länderspielen ihre Häuser mittels leuchtenden Orange-Farben sichtbar herausputzen.

Das Phänomen des Orange-Hypes ist unter dem Begriff „Orangetaumel“ populär geworden. Auch die protestantischen Iren und Briten nannten sich aufgrund ihrer holländischen Vorbilder „Orangemen“. Demgegenüber ist die Farbe der irischen Katholiken ein intensives Grün.

Was uns mit dem Farbton 050 50 78 Orange verbindet
Die Vorstellungen, die wir mit seiner phonetischen Klangfarbe verbinden, bringen uns unmittelbar in die Nähe des Widerspruchs von Gefühl und Funktion, von Aufdringlichkeit und Akzeptanz, von Schmecken und visueller Wahrnehmung. Wir entwickeln aus Erfahrungen häufig sich diametral gegenüberstehende negativ-positiv Vorbilder, wie: grelle Werbung, Warnhinweise, Müllabfuhr, Billigprodukte, beizender Geruch, giftige Chemie, angreifend, zerstörend, etc.

Demgegenüber verbinden wir mit dem warmen Farbton Persischorange Eigenschaften wie Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit, Sicherheit, Aktivität, Zukunftsorientierung, Nützlichkeit, Geselligkeit, Optimismus und Kreativität.

Als prägnante Kommunikationsfarbe enthält Orange eine Menge an Schock-, aber auch an Frische- und Aktivierungs-Potenzial bereit.

Wir erkennen ein sauberes, mitteltoniges Orange auf weißem Grund als das non-plus-ultra an Leuchtqualität, die je nach Liniendichte und Luxwerten schnell ins Flimmern geraten kann. Ähnlich scharfe Farbtonbilder wie bei Persischorange RAL 050 50 78 erreichen wir mit den reinen Bunttönen:

RAL 130 60 60 Urgrün
RAL 200 50 45 Indiablau
RAL 260 50 40 Porzellanblau
RAL 360 40 50 Salonrot

Lange Zeit verpönt, nicht erlebt und immer gewünscht: reines Orange, heiteres Rosa und Veilchenblau
In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts war in den europäischen Kindermalfarbkästen kein reines Rot, Rosa oder Orange zu finden. Demgegenüber waren amerikanische Produkte etwas besser ausgestattet. „Mit ihnen waren die Chancen größer, schönere Blumen und Blätter und eine knallrote Sonne in die obere Ecke eines Bildes zu malen.“ So der allgemeine Tenor aus Berichten der damaligen Zeit.

Tatsächlich existierte eine latente Farbarmut. Eine Folge nicht genügend vorhandener Rohstoffe oder eine Vernachlässigung sinnvoller, pädagogischer Fürsorge? Beides war wohl der Grund dieses sehr zurückhaltenden Umgangs mit Farbe. Recherchen lassen vermuten, dass seinerzeit grelle, oftmals pinkfarbene Tonlagen als nicht besonders schicklich galten, genauso wenig wie kräftige Lippenstifttöne, intensivrote Nagellacke oder rouge-getönte Kosmetika.

Seinerzeit wurde alles Leuchtende und Grelle als Nachwirkung der 40iger Jahre, teilweise bis in die 50iger und 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts, als nicht angemessen bewertet und war im gesellschaftlichen, eher genussfeindlichen Sinne geächtet. Dieses änderte sich jedoch im Laufe der Jahre, nicht zuletzt mit der Aussage von Frank Sinatra auf den Punkt gebracht: „Orange is the happiest of all colours.“ Dem ist nur wenig hinzuzufügen.

Dem Schönen, Reinen, Klaren zu trauen, ist lernbar
Persischorange ist eine wunderbare Spielfarbe; sie in Händen zu halten, belebt die Kommunikation. Ihre Assoziationen zeigen viele gefühlsorientierte Merkmale: Weich, sanft, sympathisch, lebensbejahend, freundlich, menschlich, kindlich, emotional, etc. – Persischorange beflügelt Gemeinsames. In Räumen mit vorwiegend orangefarbener Ausstattung verlaufen Gespräche und Diskussionen freundlicher, lösungsorientierter und menschlicher als in solchen mit vorwiegend grau-, blau- oder schwarz-, oder weiß-getönten Umgebung.

RAL 050 – RAL FARB-DNA