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Jedes Meer hat eine eigenständige Farbharmonie von unverwechselbarem Klang.

Der Reifeprozess in der Natur beginnt bei Grün
Grün stellt den Farbton dar, der im Zentrum liegt. Als synästhetisches Phänomen nehmen wir ihn zeitgleich über unterschiedliche Sinnesorgane wahr. In der Mitte zwischen dem warmen Rot und dem kühlen Blau befindet sich das behagliche Grün. Grün schmeckt frisch und sauer, Rot dagegen süß und fruchtig, Blau ist oftmals indifferent, weswegen man es in der Küche eher selten findet.

Grün ist die Farbe des Gedeihens und Wachsens. Die Reifeprozesse der Natur geschehen in den meisten Fällen über ein Kolorit, das von Zart-Grün über Mittelgrün zu Gelb, Orange, danach Rot bis Blau und Schwarz-Braun erfolgt. Semantisch stammt das Wort „Grün“ vom althochdeutschen „gruoni“ ab, was wachsen oder gedeihen bedeutet.

Grün hat auf vielfältige Art und Weise Einzug in unsere Alltagssprache gehalten. Wenn jemand noch „Grün hinter den Ohren“ ist oder als „Grüner Junge“ tituliert wird, steht er am wahren oder ironisch gemeinten Beginn seines Lebens.

Jeder „Frische“ – und „Natur“- Begriff steht unter besonderer Beobachtung der grünen Farbwächter. Das trifft für jene mit dem „grünen Gewissen“ oder „grünen Daumen“ ebenso zu, wie für die „Grünschnäbel“, die „Grüne Hochzeit“ und politisch-ideologisch Orientierten.

Die grüne Botschaft als Zeichen und Fanfare
Grün ist nicht allein die Farbe der Hoffnung. Ihre zunehmende Bedeutung begann ab den sechziger, siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts im Laufe der Jugendrevolution aufzublühen und zu gedeihen. Die dabei entstehende Idee gesünder leben zu wollen, war eng verknüpft mit einem zunehmenden globalen Bewusstsein, die Umweltbedingungen nachhaltig und dauerhaft zu verbessern. Dieser Prozess ist heute aktueller denn je.

Grün, die Farbe der Natur, ist seitdem zu einem ikonografischen Signal einer altruistischen Grundhaltung geworden. Grüne Pflanzen und auch Nutzpflanzen im Vorgarten, auf dem Balkon oder der Terrasse zu pflegen, gehört zum guten Ton und dient der Entspannung.

Grün und die Medizin
Grüne Farbtöne besitzen chamäleonartige Eigenschaften, die im Zusammenspiel mit Begleittönen sichtbar werden. Sobald Ozeangrün 180 50 50 mit reinem Schwarz kombiniert wird, nehmen wir es als giftig wahr. Dasselbe Grün in Verbindung mit Weiß halten wir für gesund. Viele Industriezweige machen sich heute in zunehmendem Maße das Wissen um Farben und ihre Bedeutung zu Nutze, andere stehen erst ganz am Anfang dieses Prozesses. Erstaunlicherweise gibt es gerade in der Pharmaindustrie noch vielfältige Möglichkeiten, sich ausführlich der besseren, deutlicher assoziativen und synästhetischen Farbgebung von Verpackung und Inhalt zu widmen.

In diesem Zusammenhang beklagen viele, gerade ältere Menschen immer häufiger, dass die zunehmend gleichgestaltete Farb- und Formgebung der Medikamente zu Unsicherheiten und Fehlmedikationen führt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen eine ganze Reihe kompetenter Farbexperten, die in der Pharmaindustrie für Orientierung sorgen und zum Wohle der Patienten beitragen.

Grün – besitzt den grössten Farbraum
Der Farbton Ozeangrün RAL 180 50 50 erfüllt das Verlangen der Menschen nach Ferne, Reisen und weißen Stränden, damit oftmals auch nach Einsamkeit und Ruhe. Der leicht ins Blaue neigende Ton hat eine zurückhaltende Kühle und weist etwas Geduldiges, Weises auf – dem ewigen Kreislauf des Meeres und seiner Strömung folgend. Grün ist als Erfahrungssymbol keine Sekundärfarbe, die sich aus Gelb und Blau ergibt. Sie scheint, auch in ihrer farbsprachlichen Bedeutung, eher für eine Primärfarbe zu stehen, ähnlich wie Gelb, Blau und Rot. Der grüne Farbraum ist in der deutschen Sprache der wohl bedeutendste, was seine Nennungsvielfalt betrifft.

Gleichzeitig existieren an der Schwelle von Grün zu Gelb oder Grün zu Blau bei einer erstaunlich hohen Zahl von Männern erhebliche visuelle Defizite. Immerhin 8,4 Prozent von ihnen sind farbfehlsichtig. Sie leiden unter Rot-Grün-Blindheit oder einer isolierten Rot-, bzw. Grün-Sehschwäche. Bei Frauen tritt dieses Phänomen übrigens nur bei 0,4% der Erwachsenen auf. Global betrachtet ist diese Verteilung erstaunlicherweise über alle Ethnien hinweg annähernd gleich. Es scheint, als wäre evolutionsbiologisch die Notwendigkeit zum differenzierten Farbsehen bei Frauen deutlich ausgeprägter gewesen, als dieses bei Männern der Fall war.

Grünkenntnisse: Landschafts- und Genderspezifisch
Noch deutlicher als beim Farbsehen, wird der Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Sprache. Männer begnügen sich mit knapp der Hälfte des üblichen Farbvokabulars, welches Frauen zur Beschreibung einer Farbe Verfügung steht. Empirische Untersuchungen zeigten immer wieder, dass die Qualität des Wortschatzes bei Männern im gesamten Grünbereich oftmals sehr begrenzt ist – beispielsweise bei Begriffen wie „Mai-Grün“, „Ozeangrün“, „Kaki“ oder „Oliv-Grün“. Rund ein Drittel der männlichen Befragten gaben keine oder kaum differenzierte Kommentare ab. Begriffe wie „Türkis“ waren ihnen meist fremd. Entweder beschrieben sie den Ton als „Blau“ oder „Wie Blau“ oder sie meinten es mit einem „Grün“ oder „komischen Grün“ zu tun zu haben. Auch an dieser Stelle ist der weibliche Wortschatz deutlich umfassender und differenzierter.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei der Betrachtung unterschiedlicher Ethnien. Diejenigen, die vorwiegend in Wüstenlandschaften leben, besitzen einen zumeist deutlich geringer entwickelten Grün-Sprachschatz als einige Urwaldstämme in Brasilien, bei denen 200 unterschiedliche Begriffe des Grünfarbbereichs zum allgemeinen Sprachgebrauch gehören. Das zeigt deutlich den Einfluss der Umweltbedingungen auf den Sprachgebrauch und unser Farbempfinden.

Grüne Badezimmer ein Phänomen der Zeit?
Die Frage, wieso gab es sie und wann? Echt bunte Farben wie Aumor (Rubin-Rot), Oasis (tiefes Grün), Curry-Orange und Sorrento (Ultramarinblau) wurden entwickelt und mit gleichfarbigen Fliesen und Accessoires, insbesondere den beliebten Badteppichen, angeboten und ungemein erfolgreich verkauft. Der Marktanteil der bunten Farben im Bad (Fliesen und jedwede Art von Accessoires eingeschlossen) kam auf über sechzig Prozent. Mit dem Hinweis auf „Farbige Sanitärkeramik“ boten die Bauträger in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Eigentumswohnungen an. Ein Blick in die Trend-Vergangenheit beschreibt gleichsam ein Erfahrungsmoment für die grüne Zukunft – „neue Trends“ bestehen oftmals aus Zitaten der „alten“, nur schöner und wortreicher verpackt.

RAL 180 – RAL FARB-DNA